Realismus meinte: "Unwahrscheinlich."

Ehrgeiz entgegnete: "Trotzdem zu schaffen."

Ideen im Kopf schrien: "Schreib. Uns. Auf. Jetzt!"



Es ist vollbracht!
Mit Stolz darf ich mein Erstlingswerk präsentieren:

"Das Mahnmal"...

...ist ein historischer Kriminalroman. Die Geschichte wird aus der Egoperspektive eines dreizehnjährigen Jungen erzählt. Die Kombination aus historischem Roman und Detektivgeschichte kann von der ganzen Familie gelesen werden, sozusagen "All Age". Dennoch empfehle ich eine Altersfreigabe ab 12 Jahren, da mitunter blutige Szenen enthalten sind.

Cover

Augsburg – a.d. 1499, Spätmittelalter

Eine brutale Mordserie erschüttert die Stadt.
Die Opfer werden auf grausamste Weise entstellt und zur Schau gestellt.

Als der dreizehnjährige Mathes versucht, die reiche Patriziertochter Ursula Fugger zu beeindrucken und zur Aufklärung der Morde beizutragen, stößt er auf Spuren, deren Verfolgung ihn sogar weit außerhalb der Grenzen von Augsburg in Lebensgefahr bringen…

"Ein spannender historischer Roman, der eine raue, mittelalterliche Abenteuer- und Detektivgeschichte mit frechem, jugendlichem Entdeckerdrang vereint."

Taschenbuch, 452 Seiten
ISBN 978-3-746793-61-0

E-Book
ISBN 978-3-7427-1161-8

Erschienen im Dezember 2018 über Neobooks





Hereingeschnuppert!
Leseprobe: Die ersten Seiten


Kapitel 1: Blutige Erinnerungen

Simon kam langsam zu sich.
Wie war er hierhergekommen? Konnte das mal wieder ein Humpen Knechtswein zu viel gewesen sein? Schläfrig wollte er sich am Kopf kratzen, doch er konnte seinen Arm nicht bewegen. Der Alte versuchte, den anderen Arm zu heben, aber auch das schlug fehl. Alarmiert wurde er hellwach, hob den Kopf leicht an und erschrak: Um ihn herum waren dicke Seile geschlungen, welche seine Arme an den Rumpf pressten. Ein flackerndes Licht beleuchtete ihn, ansonsten konnte er nichts erkennen. Außerhalb des Kerzenscheins war es stockfinster. Er rief laut, doch nur das Echo seiner Stimme war die Antwort. Der leicht modrige Geruch sagte ihm, dass er wahrscheinlich in einem Keller lag.
Gerade als Simon Luft holen wollte, um nach Hilfe zu schreien, packte ihn plötzlich eine kalte Hand am Hals. Mit rücksichtsloser Gewalt stopfte ihm jemand einen Lumpen in den Mund. In panischer Angst die Augen aufreißend versuchte Simon, sich frei zu winden, aber er lag wie ein Stück Holz einfach nur da und konnte nichts tun.
Flinke Hände schlugen ein dünnes Seil um seinen Kopf und den Knebel. Für einen Augenblick sah Simon über sich das Flackern zweier heller Punkte.
Augen, die auf ihn herabsahen.
Plötzlich verschwanden sie und er starrte ins Nichts.
Die Kerze flackerte unruhig weiter - bis ein leichtes Hauchen ertönte.
Mit einem Mal befand sich Simon in der totalen Finsternis.
Panische Angst überkam ihn. Er versuchte zu schreien, doch dies endete aufgrund des Knebels nur in einem müden Gemurmel. Auch mit der Zunge konnte der Alte das Tuch nicht lockern, es saß durch den Strick zu fest.
Plötzlich durchfuhr sein rechtes Bein ein stechender Schmerz. Er schrie auf, aber wieder ertönte nur ein dumpfes Stöhnen aus dem geknebelten Mund.
Die Nasenflügel des Alten flatterten bei jedem hektischen Atemzug.
Simon wollte sich aufrichten - er musste wissen, was mit ihm geschah - doch jede Bewegung war unmöglich.
Er spürte sein eigenes Blut, das ihm am Bein herablief.
Mit einem Mal rüttelte jemand an seinem Fuß.
Kurz darauf hörte er ein sirrendes Geräusch - plötzlich war der Schmerz so brutal, dass der Alte sich durchbog und mit dem Hinterkopf auf den Steinboden krachte.
Lautlos schrie er, würgte an dem Stoff und wand sich in panischem Entsetzen und höllischer Qual.
Das letzte, was er spürte, war ein erneutes Reißen an seinem Bein.
Das letzte, was er hörte, war ein erneutes Sirren.
Dann verließen ihn die Sinne.



Unter Nebelschleiern floss das Wasser des Lechs dahin, dunkel und trübe. Es klatschte leise, wenn die Strömung leichte Wellen verursachte, die am Ufer den leblosen Fuß berührten. Jedes Mal, wenn das Wasser über den Fußrücken schwappte, sickerte frisches Blut aus der Wunde nach - ein dicker Eisendorn war durch den Fuß in den Kies getrieben worden, lang genug, um den lehmigen Untergrund erreichen und nicht allzu schnell gelockert werden zu können.
Der Mann lag nackt auf dem Rücken. Arme und Beine waren da, wo sie normalerweise auch gewesen wären. Der Abstand zwischen Körper und Gliedmaßen war jedoch unverkennbar - jemand hatte sie vom Rumpf abgetrennt. Übergroße Eisennägel fixierten jedes Teil am Boden; zwei weitere steckten in Oberbauch und Hals. An der Stelle, wo der Hoden und Penis des Mannes hätten sein müssen, war nur ein blutverkrusteter Fleck: Das Gemächt war entfernt worden.
Neben der Leiche war ein Pfahl in den Boden gerammt worden. Auf dem darauf angebrachten Holzbrett stand mit schwarzer Kohle Irmala und Josef geschrieben.
Heerscharen von Fliegen summten bereits um die entstellte Leiche herum.
Schon bald würde der Gestank zunehmen.



Es ist vollbracht.
Endlich.
Ein dahergelaufener Streuner, so wie Josef damals.
Die Entstellung reicht aus, dass sie hinsehen.
Weit aufgerissene Augen und ein verkrampfter,
zu einem stummen Schrei geöffneter Mund - der Anblick ist
wahrlich schrecklich genug, um den Menschen
eine nachhaltige Warnung zu sein.
Ein Mahnmal gegen das Vergessen.
Etwas, dass sich in ihren Gehirnen einbrennen soll.
Im Morgengrauen -
und hier wird dieses Wort seiner Zweideutigkeit gerecht -
werden hunderte Menschen
bei der Überquerung der Lechbrücke dieses Mahnmal sehen.
Händler, Bettler, Frauen, Kinder, Reiter, Herren, Arbeiter - sie alle
müssen den grauenhaften Anblick aushalten, ohne dass
jemand vorher die Gelegenheit hat, an diesem
schwer zugänglichen Teil des Flussufers aufzuräumen.
Vielleicht schlagen einige die Hände vor die Augen,
nur um anschließend doch wieder hinzusehen -
zu gierig nach besonderen Geschehnissen,
zu heiß auf Blut und Elend.
Ein morgendliches Grauen.



"Mathes!", schrie mir mein Vater noch hinterher, aber ich war bereits aus der Tür und schaltete meine Ohren auf taub - es blieb mir nur wenig Zeit, um zum Perlachplatz zu laufen.
Normalerweise gehorchte ich meinem Vater - nicht nur aus Angst vor den Prügeln, die ich trotzdem oft genug zu spüren bekam. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hatte ich es mit meinem losen Mundwerk zu weit getrieben und mir oft Ärger eingehandelt. Doch mittlerweile war ich reifer geworden und versuchte, trotz meiner Jugend ein hilfsbereiter Sohn zu sein, auf den seine Familie und insbesondere sein Vater stolz sein konnten. Dieser hatte es immerhin zu einem Handwerker mit einer kleinen, aber gut laufenden Gerberei gebracht - mehr, als sich viele andere jemals erhoffen durften.
Der Dienstag früh war meine einzige Möglichkeit, sie zu sehen - Ursula. Sie war für mich eine Göttin, obwohl sie noch nie ein Wort mit mir gewechselt, ja geschweige denn mich überhaupt bemerkt hatte. Sie schien unerreichbar - und vielleicht deswegen noch schöner in meinen Träumen, den Vorstellungen eines Dreizehnjährigen.
Doch so gut die Stellung eines Gerbers im Handwerkerbereich war und stetes Einkommen in der Zunft versprach - so wenig war sie wert, wenn man auf eine wohlhabende Patrizierfamilie wie die Fugger traf. Und alles, was nicht mit reichbestickten, schweren Mänteln, glänzenden Schuhen und Goldarmbändern geschmückt war, wurde von diesen Menschen scheinbar nicht wahrgenommen - ja geradezu ignoriert.
Trotzdem war es um mein junges, unbeflecktes Herz geschehen gewesen, seit ich Ursula Fugger im Herbst des letzten Jahres zum ersten Mal in der Kutsche ihres Vaters erblickt hatte. Sie war nach Anna die zweite Tochter von Ulrich Fugger von der Lilie. Anfangs hetzte ich noch jeden Tag vergeblich auf den Markt, um sie wiederzusehen, was ich Dank meines Vaters lange Zeit auf meiner Haut spüren konnte.
Ich merkte jedoch schnell, dass auch eine Jungfer, mochte sie vielleicht etwas älter sein als ich, viele Verpflichtungen und einen geregelten Tagesablauf zu haben schien. Und so kristallisierte sich der Dienstag früh als ihr Einkaufstag auf dem Perlachplatz heraus. Seit ich das herausgefunden hatte, stand ich an jedem Dienstag früher auf, um in der Gerberei ein paar Handgriffe im Voraus erledigen zu können. Dadurch fiel die Prügelstrafe meines Vaters aus, weil er merkte, dass ich vor und nach der Stunde, in der ich auf den Markt rannte, um meiner hoffnungslosen Liebe zu frönen, härter arbeitete, um den Zeitmangel in der Gerberei auszugleichen. Trotzdem wünschte er natürlich, dass sein Sohn sich irgendwann von diesem Hirngespinst verabschieden würde.
'Du machst dich zum Narren!' hatte er mir zugerufen, als ich neulich zurück gewesen war. Für mich war die Sache allerdings klar - in meinem Kopf drehte sich alles um den Dienstag und meine Laune besserte sich ab Mittwoch mit jedem Tag. Auch wenn ich in den vergangenen Wintermonaten nicht jedes Mal das Glück hatte, dass Ursula tatsächlich auf dem Markt erschien, versuchte ich es dennoch immer wieder. Zugegebenermaßen war es hoffnungslos mit mir...


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